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Die Toskana ist zu groß, um sie innerhalb von einer Woche ganz zu bereisen- vor allem im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeits-Initiativen, denn hier muss man schon genauer hinschauen und diese auch regelrecht suchen.  Daher habe ich mir für diesen Trip den Norden ausgewählt – also die Region nördlich der Achse Florenz-Pisa. (Und das nächste Mal die südliche Toskana). Grundsätzlich ist dieses Thema in der Alltags-Wahrnehmung „kaum bis gar nicht vorhanden“. Ich bin in dieser Woche sehr viel herumgefahren, mir ist jedoch zB kein einziges Elektro-Auto aufgefallen- im Gegenteil die italienischen Straßen und Autobahnen in dieser Region sind immer noch voll mit vielen großen Stinkern (=LKW‘s). Auch in den Supermärkten ein bescheidenes Bio-Sortiment, wobei sich auch hier die Winzer deutlich von den anderen abheben;  es gibt ein gutes Angebot an Bio-Weinen, interessanterweise ist dies auch stets vergriffen.

Eine einzige Region tut sich hier allerdings wirklich positiv hervor. Eine, die sich das Thema Nachhaltigkeit in seiner ursprünglichsten Form auf die Fahnen geschrieben hat- und zwar jene rund um Lucca. Lucca selbst ist eine wunderbare Stadt, das Innere friedlich geschützt von einer dicken grünen Stadtmauer voller alter Bäume und tw sogar Wiesen. Dieser 4km lange Wall kann auch begangen und (mit Rädern) befahren werden. Diese Mauer ist der Lieblingsort der Einwohner Luccas zum Entspannen, Spazierengehen und für sportliche Aktivitäten. Freunde der Pflanzenwelt können auch einen bemerkenswerten botanischen Spaziergang zwischen Ulmen, Platanen und Lyriodendren, Tulpenbäumen und vielen anderen Baumarten unternehmen. Wenn man auch im Urlaub sein Lauftraining nicht aufgeben möchte, kann man sich den vielen Einheimischen von Lucca anschließen, die am frühen Morgen oder bei Sonnenuntergang eine kühle „Tour auf der Mauer“ im Schatten der von Bäumen gesäumten Alleen machen. Jeden Samstagmorgen um 9:00 Uhr vom Piazzale Vittorio Emanuele startet der ParkRun Mura di Lucca, ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem jeder seinen eigenen Rekord aufstellen kann. 

Die restaurierten und für Besucher geöffneten unterirdischen Schächte der Stadtmauern sind ungewöhnliche Orte, in der permanente Kunstausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen und Sportveranstaltungen stattfinden. Die Festungen über den Toren, die einst von Soldaten besetzt waren, beherbergen kleine Stadtmuseen, Restaurants und kulturelle Stiftungen. Zusätzlich zu den monumentalen originalen Eingangstoren wurden Fußgängerausgänge hinzugefügt, die im Bereich der einzelnen Bollwerke den Zugang durch Passagen ermöglichen, die einst geheim waren und heute noch die Magie aus dieser Zeit bewahren.

Kurz gesagt, wurde im 19. Jahrhundert die Stadtmauer aus einem Beispiel von Kriegsarchitektur in einen einzigartigen monumentalen Park verwandelt, der sich über die Stadt im Zeichen des Friedens, der Zivilisation und eines herzlichen Willkommens erhob. Von der Mauer aus sieht man auch sehr prominent die Villa Theresa. Dort ist die italienische Sprachschule untergebracht. Wenn ich mal älter bin (65+…) / mache ich genau hier einen Italienischkurs. Bis dahin babble ich noch.

Das Zentrum von Lucca ist unaufgeregt schön und idyllisch. Vieles dreht sich naturgemäß um Pucchini, der zwischen Lucca und Viareggio nicht nur seine wunderschönen Opern geschrieben hat, sondern auch als Schwerenöter hier sein Unwesen getrieben hat. In diesem Buch wahnsinnig gut beschrieben. Habe ich als Vorbereitung für meinen Trip regelrecht verschlungen.

Ich habe mich in Lucca jedenfalls sofort wohl und so gar nicht fremd gefühlt. Was die Stadt sonst noch unterscheidet von den großen Kunststädten Florenz, Pisa, Sienna neben seinem unprätentiösen Charme- ist trotz aller Lebendigkeit in den Gassen der Altstadt eine Stimmung des Friedens und der Harmonie. Möglicherweise liegt es daran, dass Lucca sich niemals in kriegerische Auseinandersetzungen eingelassen hat, sondern sich Kraft seines Reichtums aus der Produktion und dem Handel mit Seide immer aus solchen Konflikten frei gekauft hat. Damit ist natürlich auch, was die Bausubstanz betrifft, niemals etwas substantiell beschädigt oder wieder aufgebaut worden. Ganz abgesehen davon, was das mit der Energie einer Stadt macht. Hier wurde niemals Krieg geführt. Und das spürt man. Insofern kann es ein guter Ort für alle jene sein, die mit sich oder anderen in Frieden kommen wollen. Mehr Nachhaltigkeit geht nicht. 

Daher wundert es mich auch nicht, dass sich gerade hier im Umfeld der Stadt nachhaltige Initiativen entwickelt haben. Und wie so oft sind es wieder ein paar innovative Landwirte in Form vom Bio-Agritourismus und vor allem ökologische Weinbauern, die hier mit besonderer Hingabe und Wertschätzung ihr „Land“ für nachhaltiges Wirtschaften aufbereiten. Und das durchwegs erfolgreich als Green Business.

Ein besonders prächtiges Beispiel ist die Wein- und Olivenölstraße von Lucca, Montecarlo und der Versilia. 

http://www.stradavinoeoliolucca.it/

Diese ist aufgrund der faszinierenden Schönheit seiner natürlichen Landschaften voller Licht und Farben einmalig in der Toskana. Von den weißen Marmorgipfeln der Apuanischen Alpen, die die Küste der Versilia von Forte dei Marmi bis Viareggio einrahmen, schweift der Blick zu den historische Zentren von Seravezza, Pietrasanta, Camaiore und Massarosa und schließlich zu den sanften heiteren Hügeln von Lucca. Von dort blickt man auf die sonnenbeschienen Hänge, auf denen man die historischen Villen in der Gemeinde Capannori und die Festung von Montecarlo entdecken kann.

Das Gebiet von Lucca, das eine spektakuläre Vielfalt an Naturräumen umfasst – Meer, Berge, Täler, Hügel und historische Zentren, die eine tausendjährige Kultur hüten – hat jahrhundertelang diese ländliche Zivilisation gepflegt. Es handelt sich um eine alte Landwirtschaft, die durch die Kultivierung der Erde, der Weinreben und Olivenbäume sowie den Fischfang, Kenntnisse und Aromen hervorgebracht hat, die eng mit den lebendigsten Traditionen verbunden sind.

COLLINE LUCCESE (DOC seit 1968!): „Hügel um Lucca“

Die kleinen mittelalterlichen Städte in den sanften Hügeln der Toskana sind ein Traum. Die Küche, der Wein, das Olivenöl – mit grüner Kulisse und archaischen Dörfern definieren sie gutes italienisches Leben. Hier ist die Leidenschaft für Essen mit Integrität groß und hat es jäh altmodisch gemacht. Die Provinz Lucca ist die Brutstätte einer fortschrittlichen Art der Landwirtschaft, die moderne Methoden meidet. Da sind mehr biodynamische Bauernhöfe in Lucca als anderswo in Italien, und La Fabbrica di San Martino steht an der Spitze dieser leidenschaftlichen Gruppe und produziert Olivenöl, Wein und Honig mit Methoden, die den Uneingeweihten sicherlich überraschen würden.

Lucca Biodinamica ist eine der agilsten landwirtschaftlichen Vereinigungen der Toskana. Offiziell gegründet wurde Lucca Biodinamica 2016. Tragende Säulen sind die Prinzipien der biologischen und biodynamischen Landwirtschaft. Dabei geht es den derzeit 13 Mitgliedern nicht nur um die Anwendung dieser Prinzipien in ihren Weingärten, sondern auch um deren Verbreitung. Ein positiv missionarischer Gedanke, der zwar auch anderen Vereinigungen innewohnt, jedoch nicht so dezidiert im Programm verankert ist. Erwähnenswert ist zudem die Idee, dass Landwirtschaft den Boden nicht ausnutzen, sondern ihn vielmehr bereichern soll.

https://vinoeterra.com/wein/vereinigungen/lucca-biodinamica-2

Sämtliche Mitglieder stammen aus der Provinz Lucca. Dabei vereint LuccaBiodinamica sowohl eine Handvoll exzellenter Winzer (kaum sonstwo in der Toskana finden sich mit der Podere Concori, Tenuta di Valgiano, Calafata, Macea, Al Podere di Rosa und eben der Fabbrica di San Martino so viele exzellente Winzer auf so engem Raum) wie auch Olivenöl- und Honigproduzenten und Gemüsebauern (ganz fantastische verarbeitete Produkte hat die Maesta‘ di Formica). Mehrere Produzenten (Nicobio, die Fabbrica di San Martino, Macea und Al Podere di Rosa) bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten.

Ich habe mir zwei dieser Vorzeigebetriebe von nachhaltigem Wirtschaften genauer angeschaut und dabei wie immer das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden- und eine Verkostung genossen.

1: Giuseppe Ferrua: Fabbrica di San Martino

Schon die Zufahrt zum Weingut ist herrlich! Eine unscheinbarer Abzweigung von der Weinstraße führt durch waldiges Gelände …zu einem abgeschiedenen Ort der Freude und des Genusses …wo sich plötzlich ein paar herrschaftliche Gebäude zeigen:

Kurz zur Geschichte dieses Weingutes : Nach vielen Jahren in der Welt der Gastronomie entschied sich Giuseppe Ferrua Anfang der Zweitausender Jahre, sich der Landwirtschaft zu widmen. Ein alter Grundbesitz in den Hügeln oberhalb von Lucca wurde zum Ort, wo er seine Vorstellungen einer biodynamischen Landwirtschaft verwirklichen konnte. Rund um die Weingärten befinden sich Wälder, Olivenhaine und Weiden, wo Kühe und Esel grasen. In der Mitte liegt die Villa aus dem 18. Jahrhundert, die auch den Weinkeller beherbergt. Weniger als 10.000 Flaschen von zwei Hektar Rebfläche werden im Jahr produziert. Mittlerweile ist Giuseppe sowohl menschlich als auch fachlich zum Bezugspunkt für diejenigen geworden, die sich heute der Welt des biodynamischen Weinanbaus annähern. Er keltert nur 5 Weine, zwei Rote, zwei Weisse, einen Rose‘. Ich habe sie alle verkostet und sie umgehend nach Hause bestellt- wobei ich heute leider die schlechte Nachricht bekommen habe, dass der Rose ausverkauft ist…

In Lucca erzeugen biologischer und erst recht bio -dynamischer Landbau ein bisschen Magie…:  „Einige Leute sagen, wir sind Hexen! ” erklärt Giuseppe Ferrua, Inhaber von San Martino im Rahmen seiner Verkostung (ca 2 Std, 30.- sehr empfehlenswert!) Mit seinem scheinbar gewohnheitsmäßigen Grinsen erklärt er die eher ungewöhnlichen Methoden, die zu einem solchen Ergebnis führen könnten. Wir stehen vor einem Olivenbaum, der seit über 500 Jahren auf diesem Grundstück steht und allein jedes Jahr 20 Liter Öl aus den drei Olivensorten produziert, die auf seinen verschiedenen Zweigen sprießen. Um uns herum ist der Boden mit einer Schicht gemischter Stecklinge, 3 verschiedenen Pflanzen und Samen bedeckt, die jeweils Bestandteil eines bestimmten Rezepts zur Nährstoffversorgung des Bodens sind.

Die Farm trägt das Demeter- Gütesiegel, also von jener internationalen Qualitäts-Agentur, die strenge Standards für die biodynamische Zertifizierung festlegt. (und großteils auf den Richtlinien von Rudolf Steiner -auch Gründer der Waldorfschulen-im Jahr 1924 gründen. Als Alternative zu neu entwickelten chemischen Methoden der Pflanzenbekämpfung, meidet Steiners Methode alle Pestizide und Düngemittel und behandelt stattdessen den Boden so, dass eine reichhaltige und ausgewogene Biodiversität im Boden erhalten bleibt.

Es gilt als das erste moderne Landwirtschaftssystem, das wirklich nachhaltig ist. Der ganzheitliche Ansatz erfordert eine umfassende Kompostierung und Verwendung von Stallmist aus dem landwirtschaftlichen Betrieb. Giuseppe folgt diesen Vorschriften akribisch. Jeder Schritt seines Prozesses, von der Aussaat über die Ernte bis zur Wiederauffüllung des Bodens, wird vom Mondzyklus in seiner Ellipse um die Erde nach einem anderen von Steiners Prinzipien, der Anthroposophie, bestimmt.

„Es ist wie bei den Gezeiten “, erklärt Giuseppe und zeigt, wie die handverlesenen Oliven im Januar genau am richtigen Tag des Mondzyklus geerntet werden müssen, um die darin enthaltene Flüssigkeitsmenge zu maximieren. Er nimmt ein paar Scheiben Brot vom Grill über dem offenen Feuer in seiner Küche, beträufelt sie mit einer hohen Dosis seiner neuesten Ölcharge und lässt mich das Ergebnis probieren. Der saubere, fruchtige Geschmack seiner Mischung aus Frantoio-, Leccino- und Moraiolo-Oliven ist sensationell harmonisch, und ich bin überzeugt, dass diese kosmische Ernte etwas Besonderes enthalten muss.

2: TENUTA DI VALGIANO. Weltklasse. Natürlich!

Tenuta di Valgiano 

Ähnlich „naturverrückt“ könnte man schon fast sagen- Moreno Petrini. Er kommt aus der Mailänder Schuhindustrie, seine Lebensgefährtin Laura Di Collobiano aus adeligem Hause in Turin und verkaufte früher Luxusyachten. Zusammen bereisten sie die Welt, bis sie ein heruntergekommenes Weingut mit Renaissance-Villa in den Hügeln über Lucca entdeckten und sich mit dem biodynamisch arbeitenden Önologen Saverio Petrilli in einen neuen Lebensabschnitt mit viel Aufbau-Arbeit stürzten.

Als Weingebiet war die Gegend nördlich von Lucca noch kaum bekannt, obwohl den Colline Lucchesi (Hügel um Lucca) schon 1968 eine DOC zuerkannt wurde.

Quer-Einsteiger in einer unterschätzten Region. Keine gute Ausgangsbasis. Seit 2001 (!) auch noch biodynamisch. Das verstand hier sowieso damals niemand. Auch heute noch nicht wirklich, wenn auch inzwischen der Erfolg anerkannt wird. Heute ist die Tenuta di Valgiano das führende Weingut der Region. Hohe Auszeichnungen von nationalen und internationalen Weinkritikern sind der Lohn und zeigen, dass es sich hier nicht um ein Aussteiger-Projekt eines reichen Pärchens handelt, sondern dass hier mit enorm viel Liebe und Aufwand ein landwirtschaftliches Gut zum Erfolg geführt wird. Denn neben Wein erzeugen die beiden auch feinstes Olivenöl, Honig und züchten Schweine. Auf dem Weingut herrscht eine familiäre, von Herzlichkeit geprägte Atmosphäre. Eine malerische Villa mit Bilderbuchgarten, uralte, mächtige Platanen, ein spürbar starker Bezug zur Natur, hauseigene Quelle, Speck aus eigener Schweinezucht, Oliven, Olivenöl und Honig aus eigener Produktion…VALGIANO erweckt den Eindruck einer Selbstversorger-Idylle, der man den Aufwand, der in ihrer Erschaffung steckt, nicht ansieht. Denn VALGIANO ist eine ebenso seltene wie gelungene Mischung aus Biodynamik und Boheme- im Sinn einer unkonventionellen, ungezwungenen, kosmopolitischen Lebens- und Arbeitsauffassung. Ich würde am liebsten sofort hierbleiben. In der Villa. Und im Weinkeller. 

Apropos Keller: Dort geht es relativ einfach zu. So wenig Technik wie möglich, schonende Weinbereitung ohne Pumpen, statt dessen Nutzung der Schwerkraft. Die Trauben werden vollständig entrappt und mit den Füßen gestampft, was für eine sanfte Extraktion der Farb-, Gerb- und Aromastoffe sorgt. Die Weine reifen teils in gebrauchten Barriques, teils in Zement. Selbst beim Flaggschiff TENUTA DI VALGIANO werden nur ca 15% der Barriques jährlich erneuert, um den Urgeschmack des Weines nicht zu verfälschen.

Vom Weingut aus sieht man nicht nur die wunderbare Stadt Lucca im Tal, sondern rundum auch die Weingärten, die auf Ablagerungen ehemaliger Gletscher auf Kalkmergel und eisenhaltigem, roten Ton stehen. Im Norden, vielleicht 40-50 km Luftlinie entfernt, ragt der Apennin auf, dessen Fallwinde die Nächte deutlich abkühlen, während tagsüber das mediterrane Klima vorherrscht und die Spiegelungen des nahegelegenen ligurischen Meeres im Westen die Sonnen-Einstrahlung noch verstärken. Die Küste ist nur 20 Kilometer Luftlinie entfernt und tagsüber weht die warme Meeresluft herüber. Diese sehr eigenen Boden- und Mikro-Klima-Verhältnisse bieten eigentlich ideale Voraussetzungen für Weinanbau, das erkannten bereits die Etrusker – und es ist daher erstaunlich, dass diese Gegend nicht viel berühmter ist, obwohl hier seit zweitausend Jahren Wein angebaut wurde.

Auch die hier angebauten Rebsorten sind recht eigenständig. Neben den typischen Sorten der Toskana gibt es hier seit Napoleon auch französische Varietäten, denn vor rund 200 Jahren errichtete er hier die von Frankreich abhängige Lucchesische Republik. Deswegen standen in alten Weingärten bei den Weißen neben Vermentino, Greco, Grecchetto, Malvasia und Trebbiano seit damals auch immer schon Chardonnay und Sauvignon blanc. Und bei den roten Rebsorten war historisch zwar immer Sangiovese – hier Sangioveto genannt – dominierend, früher meist wie ein gemischter Satz mit Canaiolo, Ciliegiolo und Colorino durchmischt, daneben aber auch Merlot und Syrah – letzterer fühlt sich hier besonders wohl.

Dieses relativ junge Weingut mit seiner für Italien untypischen Geschichte beweist, dass die Biodynamik Weine im Weltklasse-Format hervorbringen kann. Und dass man nicht mit Winzer-Genen geboren sein muss, um solche Weine zu produzieren. Freilich ein bisschen „Kleingeld“ war schon notwendig, um das Ganze aufzubauen- hat halt auch nicht jeder;-) In Summe aber wirklich eine echte Erfolgsgeschichte. Wein aus der Toskana, der völlig anders riecht und schmeckt, als man es aus der Toskana erwartet. Biodynamisch, nachhaltig, eigenständig – und richtig gut. Ebenfalls verkostet. Ebenfalls bestellt. Reichlich.

MEIN QUARTIER: https://olimagio.it


Einquartiert war ich diese Woche in einem Bio-Agriturismo in Meeresnähe- und das war eine sehr gute Wahl. Ein „kleines“ Paradies- das Olimagio,, das sich auftut, nachdem sich einem über die enge Zufahrtstrasse das Tor geöffnet hat. Es ist Vorsaison und ich bin zeitweise sogar der einzige Gast im Haupthaus (Casale)- und habe auch den mehrere Hektar! großen Garten mit dem 25m Pool quasi für mich allein- was für ein Privileg! Daneben betreibt die Eigentümerfamilie noch eine kleine Farm mit Pferden, Hühnern und allerlei Gemüsen- und weiteren Zimmern. Alles ist sehr geschmackvoll gestaltet und liebevoll gepflegt. 

Eine weitere Möglichkeit, sich hier gut unterzubringen – wenn man von den hunderten Durchschnitts-Hotels und vereinzelten Luxustempeln entlang der Küste absieht – ist dieser Bio-Hof in den Hügeln von Lucca. Ein sehr ursprüngliches, naturnahes und achtsames Erlebnis, wie ich mir vorstellen kann. 

https://terredicocomo.it///it/agriturismo-biologico-in-toscana

Und wie siehts mit der Küste und dem Meer in der oberen Toskana aus? 

Gerade heraus gesagt: schlecht.

Hier ist entlang der mondänen Badeorte der Versilia von Viareggio über Forte de Marmi bis Massa kaum ein freier Meereszugang, sondern hunderte aneinandergereihte Bagnos mit wiederum jeweils hunderten Liegestühlen und sonstiger Badeinfrastruktur (Kabinen, Pool etc). Ich fragte mich, wer sich denn da freiwillig einmietet in so einen eingekastelten „Kasernenstrand“, wo alles in Reih‘ und Glied stehen muss…? Und bekam schon bald die Antwort von einem der Ausnahmegastromen dort: Er meinte, hier leben alle von 3 Monaten im Jahr. Juni, Juli, August. Die Preise für ein 3-Monats Abo in den mittleren Strandlagen kosten ca 10.000.-, jene in den vorderen Reihen bis zu 30.000.- Etliche dieses Bagnos sind restlos ausgebucht. Na bum. Noch Fragen?

Zum Glück gibt es aber auch noch diese Plätze wie das PALMO MARE (unten), die man leider von aussen kaum erkennt. Ich bin einfach durch Zufall dort hinein spaziert, weil ich auch das Entree schon sehr ansprechend und einladend fand- und war dann wirklich beeindruckt, was man aus solchen Strandbuden alles machen kann. In der Vorsaison sieht es an DIESEM Ort so aus:

Genauso geschmackvoll wie das Essen, das handgeschrieben auf kleiner Karte persönlich „erklärt“ wird, ist auch die Inneneinrichtung in diesem liebevoll dekorierten Schmuckstück. Und der Wein, der hier serviert wird (Vermentino), wächst in 5 km Entfernung auf den südlichen Hängen der Apennin-Ausläufer bei Massa. So lässt es sich gut aushalten hier…;-)

Sonst haben diese Küsten-Orte zum Thema Nachhaltigkeit oder Bio-Life wenig zu bieten. Im Gegenteil- besonders in Forte de Marmi sind eher Gucci, Prada, Maserati und viel Silikon am Start als Tesla und Co. Das Meer hat zwar an den allermeisten Orten die blaue Flagge, was für eine gute Wasserqualität steht- allerdings braucht man DAFÜR nicht so weit fahren, da ist es in Grado um nichts schlechter- im Gegenteil. Das heißt für einen Badeurlaub würde ich persönlich nicht an die Versilia-Küste des thyrennischen Meeres fahren – das ist wahrscheinlich im Süden der Toskana, zB im Naturpark der Maremma viel schöner. 

Aber das wird eine nächste Geschichte.